Chronologische Teilnahme der sächsischen Leibgrenadiergarde an den Napoleonischen Kriegen 1789-1815
Die sächsische Leibgrenadiergarde wurde 1729 unter dem Kurfürsten Friedrich August 1. errichtet. Garnisonsort der Leibgrenadiergarde war stets Dresden.
Der uns interessierende Zeitraum der französischen Revolution, sowie der anschließend stattfindenden Napoleonischen Kriege, umfasst die Zeit von 1789-1815. An den vier Rheinfeldzügen 1793-1796 nahm die Leibgrenadiergarde nicht teil und versah stattdessen Wachdienst in der Residenzstadt Dresden. Auf die Kriegsschauplätze der Napoleonischen Epoche kam die Leibgrenadiergarde erst nach dem Übertritt Sachsens zum Rheinbund, was dem sächsischen Kurfürsten den Königstitel von Napoleons Gnaden einbrachte.
1809
Als
1809 der Feldzug der Franzosen gegen Österreich begann, nahm auch ein
sächsisches Kontingent als Teil der Rheinbundtruppen teil. In diesem Korps
marschierte auch ein Bataillon Leibgrenadiergarde mit nach Österreich. Hier
nahm die Leibgrenadiergarde am 5. und 6. Juli 1809 an der Schlacht von Deutsch-Wagram, nordöstlich Wiens teil.
1810
1810 erfolgte eine Reorganisation der
sächsischen Truppen, das Regiment Leibgrenadiergarde wurde mit 1.666 Mann in 2
Bataillone zu 4 Kompanien neu formiert.
1812
Als sich die sächsischen Truppen im
Frühjahr 1812 zum Feldzug nach Russland versammelt hatten, fiel der
Leibgrenadiergarde der Garnisonsdienst in Dresden zu. Am 9. August 1812
marschierte das 2. Bataillon nach Torgau und löste das Regiment Prinz
Maximilian beim Garnisonsdienst ab, im September kehrte es nach Dresden
zurück.
1813
Ende Januar 1813 ging das1. Bataillone nach Torgau um die
Festungsanlagen mit in Verteidigungszustand zu setzen. Die marschfähige
Mannschaft des 2. Bataillons begleitete die königliche Familie am 25. Februar
1813 über Plauen im Vogtland nach Bayern und Österreich, die
minderdienstfähige Mannschaft kam zur Besatzung der Festung Königstein in die
Sächsische Schweiz. Im Mai kam das 1. Bataillon in die Brigade des
Generalmajor von Mellentin, die Bestandteil einer mobilen Division unter dem
Kommandanten Generalmajor Sahrer von Sahr war. Am 21. Mai kehrte das 2.
Bataillon als Eskorte des Sächsischen Königs aus Prag nach Dresden zurück. Das
1. Bataillon nahm am 22. Mai am Gefecht bei Reichenbach teil. Am 10. August
nahm die Leibgrenadiergarde an der großen Revue - am großen Schlag - in
Dresden vor Kaiser Napoleon teil. Danach kam es am 23. August unter Marschall Oudinot zum Einsatz in der Schlacht bei Großbeeren. Das 2. Bataillon versah
nach der Schlacht bei Dresden am 26. und 27. August Wachdienst in der
Innenstadt. Bei Dennewitz focht die Leibgrenadiergarde am 6. September unter
Marschall Rey. Aus den Resten des 1. und 2. Bataillons wird am 19. September in
Dresden ein Bataillon formiert. Bis zum 19. Oktober ist die Leibgrenadiergarde
der französischen Kaisergarde unter Brigadegeneral Curial zugeteilt. Ein
Detachement unter Oberstleutnant von Radeloff begleitet den sächsischen König
am 7. Oktober nach Leipzig. Während der Völkerschlacht bei Leipzig unterstützt
die Leibgrenadiergarde, sowie die Alte Garde unter Brigadegeneral Curial die
Polen in Dölitz (16. Oktober). Am 19. Oktober früh entlässt Kaiser Napoleon
die Leibgrenadiergarde aus dem Verband der Kaisergarde, gegen 9:30 Uhr erfolgt
die Verabschiedung der Leibgrenadiere vor dem Königshaus am Leipziger Markt.
Ab sofort steht die Garde wieder unter Befehl von König Friedrich August 1..
Im Dezember 1813 erfolgt eine Reformation der Reste der Leibgrenadiergarde zum
1. Bataillon im Provisorischen Garderegiment, welches bis zum Kriegsende 1815
auf Seiten der Verbündeten kämpfte.
1814
Zu Beginn des Jahres 1814 war das
Provisorische Garderegiment, Bestandteil des dritten deutschen Armeekorps, was
der Herzog von Sachsen-Weimar befehligte. Mitte Februar wurde das 1. Bataillon
der Garde in Flandern, zur Deckung des Hauptquartiers des Herzog von
Sachsen-Weimar nach Ath beordert. Am 7. März ging das 1. sächsische
Gardebataillon im Verbund mit anderen Truppeteilen Courtray vor, wo es
zwischen den den Ortschaften Belleghem und Sweweghem zu heftigen Gefechten mit
französischen Truppen kam in deren Verlauf sich die Franzosen auf Cortray
zurückzogen. Vom 18. bis 25. März 1814 nimmt das Garderegiment an der
Belagerung der Festung Maubeuge unter General von Leqor teil. Nach der
Kapitulation von Paris am 31. März und der Entthronung Napoleons durch den
französischen Senat, wurde ein Waffenstillstand abgeschlossen. Napoleon wurde
nach der Insel Elba verbannt, von der er ein Jahr später, am 1. März 1815 nach
Frankreich zurückkehrt, was erneut zu Kriegshandlungen führt.
1815
Im April 1815
wurden die sächsischen Truppen bei Lüttich konzentriert und Anfang Mai unter
den Befehl des preußischen Fürsten Blücher gestellt. In diesen Tagen wurde den
sächsischen Truppen der Beschluss des Wiener Kongresses bekannt, welcher die
Teilung Sachsens, sowie der Armee zur Folge hatte. Beim Garderegiment, das zur
Bewachung des Hauptquartiers Blüchers in Lüttich verwendet wurde, kam es am 2.
Mai zu Meutereien, wobei Blücher knapp einen Anschlag entgeht. Vor diesem
Anschlag kam es jedoch mehrfach zu Unterdrückungen sächsischer Truppen durch
preußisches Militär. Blücher ließ daraufhin 7 Grenadiere des Garderegiments
erschießen, die Fahne des 1. Bataillons wurde verbrannt. Der sächsische
General Bostell wurde vom Dienst suspendiert und zu Festungshaft verurteilt.
Auf Befehl erfolgte die Rückkehr der sächsischen Truppen in ihre Heimat, das
1. Bataillon des Garderegiments wurde nicht geteilt und kam geschlossen nach
Dresden zurück. Mit der Verbannung Napoleons, nach der Schlacht bei Waterloo
auf die Insel Sankt Helena fanden die Napoleonischen Kriege ihr Ende.
Burghard Bieling (Quelle: Schuster, Franke - Geschichte der sächsischen Armee)